Warum starke Marken ein bisschen Bruce Lee sein sollten.

Manchmal surfe ich am Nachmittag einfach zur Entspannung durchs Web. Dabei stieß ich vor geraumer Zeit auf einen meiner Helden aus der Kindheit, und zwar auf Bruce Lee. Für alle Jüngeren (Jahrgang 89 aufwärts), die Bruce Lee wahrscheinlich nicht kennen, ein Schnelldurchlauf: Bruce Lee ist für viele Generationen bis heute wohl der berühmteste Martial Art Star der Welt. Seine Blütezeit hatte er Anfang der 70er Jahre. Leider ging er bereits 1973 mit nur 33 Jahren von uns. Was nicht alle wissen: Er studierte Philosophie und war mitunter ein recht inspirierender Denker. Unter www.brucelee.comfindet man viele schöne Zitate, die nicht nur auf die Kampfkunst, sondern auf das Leben selbst übertragbar sind. Das folgende „Be water, my friend“ gehört wohl zu seinen berühmtesten:

EMPTY YOUR MIND; BE FORMLESS,

SHAPELESS LIKE WATER. NOW YOU PUT

WATER INTO A CUP, IT BECOMES THE CUP,

YOU PUT WATER INTO A BOTTLE,

IT BECOMES THE BOTTLE, YOU PUT INTO

A TEAPOT, IT BECOMES THE TEAPOT.

NOW WATER CAN FLOW OR IT CAN CRASH.

BE WATER, MY FRIEND.

 

Ursprünglich beschreibt es die Idee hinter dem von ihm entwickelten KampfstilJeet Kune Do: „Having no way as way – having no limitation as limitation“. Dies basiert im Grunde auf der Philosophie des Daoismus, bei dem davon ausgegangen wird, dass man den Dingen ihren Lauf lassen und eine hohe Anpassungsfähigkeit entwickeln soll. Deshalb strebt man hier keine feste Form an, sondern den Fluss – kurz: so zu sein wie Wasser.

Ein inspirierendes Zitat, das ich im letzten Jahr für einen Impulsvortrag zum Thema Markenbildung benutzt habe. Dazu eignet es sich nämlich hervorragend, denn der Text markiert in vielerlei Hinsicht, worauf es bei einer erfolgreichen Personal, Corporate oder auch Employer Brand ankommt. Und er vermittelt das Bild des anpassungsfähigen Wassers – eine einfache und treffende Metapher für eine erfolgreiche Marke. Gehen wir mal näher ran.

Empty your mind

Habe keine Vorurteile, sei offen für Neues. Denn kein Business und kein Markt ist in Stein gemeißelt. Überlege, wie Du Deiner Zielgruppe heute einen Nutzen bringst. Berücksichtige dabei: Eine starke Marke liefert Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Also Obacht: Der Nutzen kann übermorgen schon wieder ein ganz anderer sein.

Be formless

Sei fließend in der Gestalt, aber konstant im Gehalt. Der einstige Schreibmaschinenhersteller Triumph Adler hat das damals verstanden und den Sprung von der mechanischen zur digitalen Dokumentenverarbeitung erfolgreich gemeistert.

Water can flow

Wie hat Triumph Adler das geschafft? Wie Wasser hat das Unternehmen sein Produkt an die Anforderungen der Zeit angepasst – ohne sein Angebot zu verwässern oder sich dabei zu verbiegen. Denn die Verarbeitung von Dokumenten ist schon immer der Markenzweck des Unternehmens gewesen. Wer weiß, welche Veränderung die nächste sein wird. Bleibe deshalb in Bewegung, sonst stirbt Deine Marke wie Wasser, das nicht mehr fließen kann.

Water can crash

Wasser kann eine enorme Wucht entfachen. Wie große Wellen oder Wassermassen kannst Du Deine Zielgruppe mitreißen – vorausgesetzt Du formulierst Deinen Markenzweck so spitz wie möglich. Polarisiere, lasse Überflüssiges weg, sei fokussiert, entscheide Dich. Denn nur dann versteht Dein Publikum sofort, was Du tust. Sicher, es wird Kunden geben, die sich genau deshalb nicht für Dich und Dein Produkt entscheiden werden. Aber es wird auch viele geben, die sich genau deshalb für Deine Marke entscheiden. In jedem Falle wird es niemanden mehr geben, dem Du egal bist. Denn wer polarisiert, ist relevant und schafft Stoff zur Diskussion. Wer hingegen es allen recht machen möchte, wird beliebig und langweilig.

Be a friend

Dein Publikum möchte Dich als Marke nicht passiv konsumieren wie in alten TV Commercial Zeiten. Heute ist Markenkommunikation nämlich auch eine App, ein Spiel, ein #, eine Rezension, ein Blogbeitrag … Dinge, mit denen Dein Kunde kommunizieren und auf die er reagieren kann – und zwar auf Augenhöhe. Sie erwarten qualitativ hochwertige persönliche Antworten für individuelle Anfragen und wollen vor allem ernst genommen werden. Aus einem „Hey, was bietest Du mir heute Schönes“ ist ein „Hey, was erleben wir heute gemeinsam Schönes?“ geworden.

Authentizität, Augenhöhe, keine Vorurteile, eine klare Meinung haben: Markenbildung bedeutet heute vor allem dies: findet Eure Identität und erfindet sie nicht.

Anregungen? Kritik? Fragen zu Ihrer eigenen Personal Brand? Ich freue mich auf einen Dialog.

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