Ethik statt Kosmetik!

Warum Aufrichtigkeit die beste Währung
für eine erfolgreiche Personal Brand ist.

 

„Ästhetik ohne Ethik ist Kosmetik“ – über diesen schönen Satz stolperte ich die Tage in einem tollen Zeit Interview mit dem deutschen Performance-Künstler Ulay. Auf die Frage, was er damit meine, entgegnete er, dass „eine fortwährende Ästhetisierung aller Lebensbereiche am Ende wohl dazu führt, dass wir anästhesiert, also betäubt werden“. Seine Kunst hingegen sei geprägt durch eine Antiästhetik, sie beziehe sich jedoch immer auf ein ethisches Handeln (das vollständige Interview gibt es hier).

In unserer Werbezunft wird ja (leider immer noch sehr viel) betäubt. Grund genug, es anders zu machen. Und gerade im Bereich der Markenentwicklung kommt der Ethik meines Erachtens eine besondere Bedeutung zu. Denn wer an seinem Markenbild arbeitet, kann nicht nur, sondern sollte auch aufrichtig und ehrlich sein. Zunächst mal seinen Kunden gegenüber. Ein Markenversprechen abzugeben, das man nicht halten kann, darüber sollte man nicht mal nachdenken. Und wer glaubt, der Kunde ist doof, dem sag ich es mit Tucholksy, den mein alter Chef Klaus Erich Küster an dieser Stelle immer gerne gebracht hat: „Das Volk ist doof, aber gerissen.“

Werte und Herkunft: inspirierende Quellen der Markenbildung.

Aufrichtig sollte man aber vor allem zu sich selbst sein. Und da gibt es meines Erachtens zwei ganz entscheidende Faktoren, die für eine erfolgreiche Markenbildung essentiell sind: meine Werte und meine Herkunft. Werte entwickeln sich im Laufe meines Lebens und bilden sich zu Fixsternen, nach denen ich mein privates wie berufliches Denken und Handeln ausrichte (die Frage, ob man sich seiner Werte überhaupt bewusst ist und ob bzw. inwiefern man diese auch bewusst lebt, ist wiederrum eine andere spannende Frage).

Meine Herkunft ist insofern relevant, als sie natürlich mit meinen Werten verquickt ist. Es hat eben seine erzieherischen, politischen, gesellschaftlichen und topographischen Gründe, warum ich so bin wie ich bin. Dort einmal genauer hinzuschauen, ist deshalb eine sehr inspirierende Quelle, wenn es darum geht, seine berufliche Identität finden. Und eine sehr kraftvolle: Denn nur in ihr schlummern jene Eigenschaften, Geschichten und Erlebnisse, die mich wirklich authentisch machen.

Wie komme ich meiner Herkunft und meinen Werten auf die Spur?

Werte und Herkunft sind ja große Begriffe. Um sie mit Leben zu füllen und für meine Marken nutzbar zu machen, kann ich aber ganz pragmatisch vorgehen. Werte beleuchte ich, indem ich mich beispielsweise frage, was ich der Welt Außergewöhnliches hinzufügen möchte? Was ist mein Beitrag, den ich beruflich leisten möchte? Oder wenn jemand eine Rede zu meinem beruflichen Ausstieg schreibt, wie sollte beispielsweise der Titel der Laudatio lauten? Ziemlich inspirierende und vor allem identitätsstiftende Fragen. Und was meine Herkunft betrifft: Fragen Sie sich mal, welche Menschen Sie inspiriert haben? Gibt es jemanden, dem Sie eine besondere Fähigkeit oder das Treffen einer persönlichen Entscheidung zu verdanken haben, ohne die Ihr Leben eine andere Wendung genommen hätte? Oder mal topographisch gedacht: Sie kommen aus dem Ruhrgebiet und sprechen deshalb anders als Ihre Kollegen? Stellen Sie sich doch mal die Frage, welche Auswirkungen das beispielsweise auf Ihr empathisches Verhandlungsgeschick oder Ihre kommunikativen Fähigkeiten hat. Und wenn Sie es herausgefunden haben, verraten Sie es Ihrer Zielgruppe. Die interessiert so etwas nämlich brennend.

Warum Herkunft und Werte so wichtig sind.

Schließlich die Frage, warum ist die Kenntnis meiner Werte und meiner Herkunft für die Entwicklung und die Stabilität meiner Personal Brand so wichtig? Zwei Antworten:

  1. Wenn ich weiß, wofür ich stehe, dann weiß ich auch, was ich kommunizieren muss, damit meine Kunden (oder Mitarbeiter) mich auch als Menschen hinter meinen Leistung erkennen und eine Beziehung zu mir aufbauen können. Das wollen wir Menschen nämlich, Beziehungen knüpfen. Wir wollen einen Gefährten und keinen Dienstleister an unserer Seite haben.
  2. Wenn ich meine Werte und meine Herkunft ignoriere, weil das Business auch so ganz gut läuft („meine 08/15 Seifenspender bringen zwar jede Menge Kohle, aber eigentlich habe ich keine Lust auf Seifenspender“), kommt früher oder später die Sinnfrage. Denn Werte und Herkunft lassen sich nicht wie Staub aus dem Mantel klopfen. Sie können bestenfalls eine Zeit lang in den Schrank gesperrt werden. Aber irgendwann kommen eben Fragen auf.

Werte und Herkunft – Stimmen, die heute bei so vielen (vor allem) Mittvierzigern immer lauter werden und irgendwann zur Frage aller Fragen führen „Was mache ich hier eigentlich?“ Eine Frage, die man sich deshalb besser am Anfang seiner Markenbildung stellt. Vor allem deshalb, weil jede aufrichtige Markenbildung im Sinne einer beruflichen Identitätsfindung die große Chance bedeutet, auch erfolgreich zu sein. Denn wenn ich weiß, wofür ich brenne, gelingt mir für die eigene Sache eine wesentlich leidenschaftlichere Kommunikation als für Seifenspender.

Eine Brand sollte demnach schön gestaltet sein. Aber sie sollte auch mit Verantwortung gebildet werden. Also, auf geht’s. Parole: Kosmethik statt Kosmetik!

Anregungen? Kritik? Fragen zu Ihrer eigenen Personal Brand? Ich freue mich auf einen Dialog.

 

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